Ein Klick. Eine Nach­richt. Eine bewuss­te Ent­schei­dung.
„Du gehörst halb­tot ver­ge­wal­tigt.” „Ich hof­fe, du wirst bald auf­ge­hängt.” „Spring aus dem Fens­ter.” – Das sind kei­ne Aus­nah­men. Das ist digi­ta­ler All­tag für vie­le Men­schen, die sich öffent­lich äußern. Die Initia­ti­ve SO DONE doku­men­tiert sol­che Nach­rich­ten und macht sicht­bar, was täg­lich in den Post­fä­chern von Journalist:innen, Politiker:innen und Aktivist:innen lan­det.

Jeder die­ser Sät­ze ist eine Ent­schei­dung
Wer so etwas schreibt, tippt nicht ver­se­hent­lich. Da sitzt jemand vor dem Bild­schirm, for­mu­liert, liest noch ein­mal – und drückt auf „Sen­den”. Zwi­schen Impuls und Tat liegt Zeit. Zeit, in der eine ande­re Ent­schei­dung mög­lich wäre.

SO DONE setzt dort an, wo das Unrecht bereits gesche­hen ist: Sie unter­stüt­zen Betrof­fe­ne von Online-Hass dabei, recht­lich gegen die Ver­ant­wort­li­chen vor­zu­ge­hen. Mit KI-gestütz­ter Fil­te­rung und Pro­zess­kos­ten­fi­nan­zie­rung sen­ken sie die Hür­den für juris­ti­sche Gegen­wehr. Das ist wich­tig. Das schafft Kon­se­quen­zen.

Aber es wirft auch eine Fra­ge auf, die uns bei IZOG beson­ders beschäf­tigt: Was pas­siert vor­her?

Die unsicht­ba­re Sei­te des Bild­schirms
Hin­ter jeder Hass­nach­richt sitzt ein Mensch. Einer, der sich in die­sem Moment ent­schei­det, Gewalt aus­zu­üben – denn genau das ist eine Dro­hung, eine Belei­di­gung, ein Auf­ruf zur Gewalt: digi­ta­le Gewalt.
Was bringt jeman­den dazu, einer frem­den Per­son den Tod zu wün­schen? Frus­tra­ti­on? Ohn­macht? Der Glau­be, im Netz gebe es kei­ne Regeln? Die Erfah­rung, dass bis­her nie etwas pas­siert ist?
Initia­ti­ven wie SO DONE ver­än­dern genau das: Sie zei­gen, dass Online-Gewalt Kon­se­quen­zen hat. Und Kon­se­quen­zen wir­ken prä­ven­tiv – wenn sie bekannt wer­den.

Prä­ven­ti­on braucht bei­de Sei­ten
Wir bei IZOG arbei­ten mit Men­schen, die Gewalt aus­üben – nicht erst, wenn sie vor Gericht ste­hen, son­dern bevor es so weit kommt. Unser Ansatz: Wer ver­steht, war­um er sich für Gewalt ent­schei­det, kann ler­nen, sich anders zu ent­schei­den.
Das gilt auch für digi­ta­le Gewalt. Die Anony­mi­tät des Net­zes senkt Hemm­schwel­len, aber sie hebt die Ver­ant­wor­tung nicht auf. Jede Hass­nach­richt bleibt eine bewuss­te Hand­lung eines Men­schen, der in die­sem Moment ande­re Optio­nen hat­te.

Was wir von SO DONE ler­nen kön­nen
Die Bei­spie­le auf sodone.de zei­gen das Aus­maß des Pro­blems. Sie zei­gen auch: Vie­le Men­schen haben offen­bar nie gelernt, mit Wut, Ableh­nung oder Wider­spruch umzu­ge­hen, ohne ande­re zu ver­let­zen. Hier liegt Poten­zi­al für Prä­ven­ti­on – in Schu­len, in Unter­neh­men, in der poli­ti­schen Bil­dung.
Recht­li­che Kon­se­quen­zen sind ein Teil der Lösung. Aber ech­te Ver­än­de­rung beginnt frü­her: bei der Fra­ge, war­um sich Men­schen für Gewalt ent­schei­den – und wie wir ihnen hel­fen kön­nen, es nicht zu tun.

Wei­ter­füh­ren­de Links:
SO DONE – Hass im Netz abschal­ten