Eine BKA-Kampagne, die zeigt: Auch junge Menschen treffen Entscheidungen mit Konsequenzen
41,3 Prozent. Diese Zahl aus der polizeilichen Kriminalstatistik 2022 sollte aufhorchen lassen: Über vier von zehn Verdächtigen im Bereich Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen sind selbst unter 18 Jahre alt. Das Bundeskriminalamt reagiert mit der Kampagne #dontsendit – und liefert damit Material für eine Diskussion, die auch IZOG am Herzen liegt.
Die Entscheidung, die alles verändert
Der Mechanismus ist simpel und gefährlich zugleich: Jugendliche erstellen Nacktbilder von sich selbst und versenden sie – per WhatsApp, Snapchat oder Instagram. Was als vermeintlich harmloser Vertrauensbeweis beginnt, kann zur Straftat werden. Denn: Wenn ein Kind unter 14 Jahren ein Nacktbild von sich erstellt, handelt es sich rechtlich um eine Missbrauchsdarstellung. Punkt.
Das Versenden, Weiterleiten, ja selbst der bloße Besitz solcher Aufnahmen ist nach § 184b StGB strafbar – seit 2021 als Verbrechen mit Freiheitsstrafen von einem bis zehn Jahren. Auch wenn Kinder unter 14 Jahren strafunmündig sind: Für alle anderen wird es ernst.
Warum das Thema zu IZOG passt
Bei IZOG arbeiten wir mit Menschen, die sich entschieden haben, gewalttätig zu werden. Das klingt nach einer anderen Welt als Klassenchats voller weitergeleiteter Bilder. Ist es aber nicht.
Denn hinter dem leichtfertigen Weiterleiten steckt eine Entscheidung. Eine, die oft ohne Nachdenken getroffen wird – aber dennoch bewusst. Der Finger tippt auf „Senden”. Das ist kein Unfall. Das ist eine Handlung.
Die Kampagne #dontsendit setzt genau dort an: beim Moment vor dem Klick. Sie fragt nicht „Was ist dir passiert?”, sondern „Was tust du da eigentlich?”.
Was Eltern und Fachkräfte wissen sollten
Einmal versendete Bilder sind nicht mehr kontrollierbar. Sie können kursieren, Jahre später wieder auftauchen, als Druckmittel eingesetzt werden. Das BKA weist zu Recht darauf hin: Auch Eltern können betroffen sein, etwa wenn Bilder auf gemeinsam genutzten Geräten oder in Cloud-Diensten landen.
Die Empfehlung ist klar: Offene Gespräche über digitale Verantwortung. Nicht als Drohkulisse, sondern als echte Auseinandersetzung mit der Frage: Welche Entscheidungen treffe ich online – und welche Folgen können sie haben?
Der IZOG-Blick
Prävention beginnt nicht bei der Strafe. Sie beginnt bei der Erkenntnis, dass jede Handlung eine Entscheidung ist. Das gilt für körperliche Gewalt genauso wie für digitale Übergriffe.
Wenn ein Jugendlicher ein intimes Bild ohne Einverständnis weiterleitet, hat er sich dafür entschieden. Wenn jemand solche Bilder anfordert, sammelt oder verbreitet – ist das keine Laune, sondern ein Akt mit Verantwortung.
#dontsendit ist mehr als ein Hashtag. Es ist eine Aufforderung zur Selbstreflexion. Und genau das unterstützen wir.
Weiterführende Informationen:
- BKA-Kampagnenseite: bka.de/dontsendit