Ein Pilotprojekt in Stockholm zeigt, wie niedrigschwellige Gesprächsangebote Menschen erreichen, die sonst nie einen Psychologen aufsuchen würden.
In einer Bar in Stockholm sitzt seit Ende März ein Psychologe an einem Tisch. Weiße Jacke, Aufschrift „Bar-Therapie”. Wer will, setzt sich dazu. Ohne Termin, ohne Anmeldung, kostenlos.
Das Konzept ist simpel: Wo Menschen ohnehin zusammenkommen, wird ein Gesprächsangebot geschaffen – dort, wo die Hemmschwelle am niedrigsten ist. Nicht in einer Praxis, nicht hinter verschlossenen Türen, sondern mitten im Alltag.
Die schwedische Bar-Therapie richtet sich an alle, die mit etwas zu kämpfen haben. Auch an Menschen, die sonst nie den Weg in eine Praxis finden würden. Das betrifft ausdrücklich auch gewaltausübende Personen, die sich bewusst gegen Gewalt entscheiden wollen – aber keinen Anlaufpunkt kennen.
Was das Projekt zeigt
- Niedrigschwelligkeit wirkt. Wer Hilfe dort anbietet, wo Menschen sich aufhalten, erreicht auch die, die sich sonst nicht melden.
- Gespräche normalisieren. Die Macher des Projekts wollen, dass es selbstverständlich wird, über eigene Probleme zu sprechen. Das gilt für alle – auch für Menschen, die gewalttätiges Verhalten verändern wollen.
- Barkeeper als erste Anlaufstelle. Im Rahmen des Projekts werden auch Barkeeper geschult: nicht als Ratgeber, sondern als Zuhörende. Ein Prinzip, das sich auf viele Berufsgruppen übertragen lässt.
Das Projekt wird von einem Bierkonzern finanziert und soll auf bis zu 20 Kneipen in ganz Schweden ausgeweitet werden. Wer nach dem Erstgespräch in der Bar weitermachen möchte, bekommt innerhalb weniger Tage einen Folgetermin in einer Praxis.
Schweden macht vor, wie das aussehen kann.
Quellen: SWR3 (08.04.2026), Videobericht von SWR3-Korrespondent Johannes Koch aus Stockholm
Projektseite: barterapitestet.lagereld.com